Mentales Üben in Hochrisikoberufen

Die Übersichtsarbeit von Maryvonne Langenberg stellt 10 verschiedene Studien bei der Polizei und Feuerwehr vor, wie mit mentalem Vorstellungstraining MiT die beruflichen Leistungen gesteigert und die Stressbelastung reduziert werden kann.

Mit MiT werden typische Arbeitsaufgaben bearbeitet, bei denen die psychomotorischen Fähigkeiten verbessert werden sollen, z.B. beim Schiesstraining bei der Polizei oder Kniehocke-Übungen bei der Feuerwehr (Coutée et al. 2022), aber auch gefährliche Einsätze wie einen Banküberfall oder Bedrohung durch einen Angreifer. Ziel ist es, berufliche und persönliche Ressourcen zu stärken, um typische stressbedingte Gesundheitsbelastungen zu reduzieren, z.B. Verdauungs- und Schlafprobleme, erhöhter Blutdruck, weniger Angst, weniger Alkoholmissbrauch, weniger subjektives Stresserleben, eine genauere Erinnerung an die bedrohliche Situation, mehr zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit .

Zur Stärkung der Resilienz wurden darüberhinaus bei diesen Interventionsstudien auch Achtsamkeits- und Atemübungen eingesetzt, positives „Reframing“ oder Humor. Bemerkenswert ist, dass Berufseinsteiger:innen nur dann von diesen Übungen profitieren, wenn sie bereits erste Erfahrungen in Hochrisikosituationen sammeln konnten, und vermutlich deshalb den Nutzen dieses mentalen Trainings auch tatsächlich am eigenen Leib deutlicher erfahren können. Ebenfalls überraschend das Ergebnis in der Studie von Colin et al. (2014), dass das zusätzliche Übungselement, sich die reale Bedrohung vorzustellen, zu einer Verschlechterung der Leistung führte, aber immer noch besser war als die Kontrollgruppe mit dem üblichen Schiesstraining.

Bei Feuerwehrleuten konnte die Erholung zwischen zwei Einsätzen deutlich gesteigert werden mit Atemübungen und mentalen Übungen zur körperlichen Ausdauer und Leistungsfähigkeit (Biéchy et al. 2021). Die Erholungsfähigkeit zeigte sich in einer erhöhten Herzratenvariabilität und erhöhtem paarsympathischem Tonus.

Beeindruckend ist, dass auch kurze Interventionen wie z.B. zwei 75-minuten-Interventionen deutliche positive Wirkungen erzielen; nichtsdestotrotz ist für den nachhaltigen Erfolg regelmässiges Wiederholen der Übungen notwendig.
Wirtschaftspsychologie, 2025, 27:178-194. Stressbewältigung und Leistungsoptimierung. Eine systematische übersichtsarbeitzum Einsatz von mental Imagery Training bei Hochrisikoberufen.

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