Reanimation der Arbeitsmotivation

Es ist so weit: mein eBook ist jetzt in einer Neuauflage erschienen: überarbeitet, erweitert und mit zauberhaften Zeichnungen von Heidi Mumenthaler – für alle, die einfache und schnell umsetzbare Anregungen suchen für schwierigen Personalsituationen … und für die, die den Erfolg anhand harter Zahlen überprüfen möchten.
– Wenn Sie unsicher sind, wie Sie eine Mitarbeiterin, einen Kollegen einschätzen sollen, gibt es Checklisten mit Verhaltenskriterien für psychische Gesundheit und gelbe Karten für Hinweise auf beginnende psychische Erkrankungen – lange bevor die institutionellen Instrumente wie IV-Früherfassung oder BEM berufliches Eingliederungsmanagement greifen.
– Für den nächsten Schritt, klärende Gespräche, finden Sie Fragen zur Vorbereitungen von solch schwierigen Gesprächen sowie Formulierungsvorschläge für den Gesprächsanfang, zur Situationsklärung und für abschliessende Zielvereinbarungen.
– Zwei Beispiele zum Schluss aus zwei Branchen mit besonders hohen Absenzen – Erziehung und Pflege, zeigen, wie sich die soft factors der guten Gesprächsführung und unterstützender Organisationskultur in harten Facts = weniger Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, günstigere KTG-Prämien und weniger IV- und PK-Neurenten – niederschlagen.

Reanimation der Arbeitsmotivation

Nun wünsche ich Ihnen, dass Sie genau das finden, was Sie gesucht haben und freue mich über Rückmeldungen!

Ihre Hildegard Nibel

Arbeitnehmer sind immer öfters krankgeschrieben

so titelten NZZ am Sonntag und der Blick mit dieser angeblichen Hiobsbotschaft von sinkender Belastbarkeit und sinkender Arbeitsmoral der Beschäftigten.
In der Tat sind das
Good news & very good news!
Was eigentlich als Hiobsbotschaft von NZZ am Sonntag und dem Blick gedacht war, sind bei genauerem Hinschauen Good news & very good news:
Steigende Absenzzahlen sind immer mit guter Konjunktur verbunden. Zum einen sind volle Auf-tragsbücher auch mit einer erhöhten Arbeitsbelastung der Beschäftigten verbunden, die des-halb auch eher einmal krank werden. Zum andern kündigen Arbeitgeber kranke Mitarbeitenden auch nicht sofort nach Ablauf der Kündigungsschutzzeit, weil es schwieriger ist, Vakanzen zu besetzen, und weil die Arbeitgeber bei guter Auftragslage hoffen, dass langzeitkranke Mitarbei-tende wieder an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Dass die steigenden Absenzzahlen durch psychische Erkrankungen verursacht werden, ist eine Nachricht, die noch hoffnungsfroher macht:
bisher wurden seelische Erkrankungen weitgehend tabuisiert oder hinter einer körperorientier-ten Diagnose wie Rückenschmerzen versteckt. Nun endlich trauen sich behandelnde Ärzte und Patientinnen, seelische Befindlichkeitsstörungen zu thematisieren und auch zu diagnostizieren. Ehrlichere Diagnosen ebnen darüber hinaus den Weg zu den wirksameren (Psycho-)Therapien bei psychosomatischen Störungen und vermeiden die teure und unnötige Fehlbehandlung und Chronifizierung seelischer Leiden. Das entlastet wiederum die Krankenversicherungen.

Und noch eine gute Nachricht:
seelische Befindensstörungen sind ein frühes Warnzeichen für körperliche Erkrankungen wie Herz-/Kreislauf- oder Krebs. Werden also diese negativen Stimmungen oder starke Stim-mungsschwankungen in ihrer Entstehungszeit ernst genommen, können wirklich schwere kör-perliche Erkrankungen verhindert oder in ihrer Schwere reduziert werden
… auch wenn für viele Arbeitgeber “psychische Erkrankungen” immer noch ein anderes Wort sind für bezahlte Ferien, so sind seelische Befindlichkeitsstörungen ein wertvoller und eigentlich unbezahlbarer Hinweis auf Sand im betrieblichen Gefüge.

Gebetsmühlenartig wird auch immer der Satz wiederholt “Je länger eine Person am Arbeitsplatz fehlt, desto fragwürdiger wird die Rückkehr”. Dieser Zusammenhang stimmt für Diagnosen wie unspezifische Rückenschmerzen, für die sich eine möglichst schnelle Rückkehr in den (Arbeits-) Alltag sehr bewährt hat – statt der früher verordneten Schonung und Bettruhe, die die Schmer-zen verstärkt hat. Aber stimmt das auch für andere Erkrankungen? – Langzeitstudien und die Reaktivierungsquoten in den Pensionskassen zeigen ein anderes Bild: offensichtlich gibt es viele Beschäftigte, die auch nach ein bis zwei Jahren in den Arbeitsprozess zurückkehren, z.B. nach einer Anpassungsstörung oder einer Erschöpfungsdepression.

Auch die Unfallversicherungen nutzen diesen Umstand gewinnbringend, indem nach einem Unfall 3 bis 5 Jahren abwarten und erst dann eine Unfallrente gutsprechen, basierend auf der Erfahrung, dass es meist auch noch nach mehr als einem Jahr nach einem Unfall zu deutlichen Verbesserungen der Arbeitsfähigkeit kommt.
In den letzten Jahren wurden auch einige hilfreiche Instrumente entwickelt, um den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr in den Arbeitsprozess zu erkennen. Der finnische Arbeitsmediziner Juha Illmarinen hat heraus gefunden, dass die Einschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit, der sog. WAI Work ability Index, die Rückkehr in den Arbeitsprozess sehr viel besser vorher sagen kann als medizinische Diagnosen oder Begutachtungen. Ganz neu entwickelt wurde deshalb von Compasso auch das REP Resourcenorientierte Eingliederungsprofil, das die Aufmerksamkeit von krankschreibenden Ärz-ten und ihren Patientinnen auf das lenkt, was diese noch oder wieder können. So muss eine gute Konjunkturlage nicht zwangsläufig mit erhöhten Absenzen einher gehen, sondern könnte den optimalen Einsatz der Mitarbeitenden im betrieblichen Leistungsprozess erleichtern.

* VUCA volatil – unsicher/uncertain – chaotisch/chaotic – ambigous/widersprüchlich

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